Markt-Briefing am Morgen – 2026-09-24

Nach der jüngsten Welle der Technologie-Euphorie an der Wall Street werden die Finanzmärkte von der harten Realität des Anleihemarktes eingeholt. Die Renditen von US-Staatsanleihen haben erneut die 5%-Marke durchbrochen, was die Anlegerstimmung spürbar abgekühlt und eine Korrektur bei den führenden Aktienindizes ausgelöst hat. Gleichzeitig vertiefen sich die geldpolitischen Divergenzen weltweit: Während die Bank of Japan (BoJ) einen Straffungskurs einschlägt, hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen nahe null, was neue Chancen am Devisenmarkt eröffnet. Den Hintergrund dieser Entwicklungen bildet der erneut steigende Ölpreis, der an die ungelösten angebotsseitigen und geopolitischen Probleme erinnert.

Geopolitisches Umfeld

  • Unruhe in der Region des Persischen Golfs: Die jüngsten Ölpreisbewegungen spiegeln eine gestiegene geopolitische Risikoprämie wider. Die Spannungen in der Region und die Ungewissheit über die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus halten die Rohstoffmärkte in erhöhter Alarmbereitschaft. Obwohl noch keine vollständige Klarheit über tatsächliche Verkehrseinschränkungen herrscht, preisen Investoren das Risiko potenzieller Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten ein. (Quellen: Saxo Bank; CNBC; Kapitales).

Das Wichtigste heute

  • US-Anleiherenditen über 5% belasten die Wall Street. Zuletzt berichteten wir über die Erleichterung an den Märkten, als die Renditen von US-Schuldtiteln vorübergehend unter die psychologische Schwelle fielen. Die Lage hat sich jedoch geändert: Mitte September kletterte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasuries) wieder über 5% und markierte damit die höchsten Stände seit 2007. Marktkommentare führen diese Entwicklung auf stärkere Daten zur US-Wirtschaftsaktivität sowie auf Signale einer schwächeren Nachfrage bei einer der Anleiheauktionen zurück. Dies führte in der dritten Septemberwoche zu deutlichen Verlusten an der Wall Street: Der S&P 500 verlor rund 0,75%, der technologielastige Nasdaq Composite 1,13% und der Dow Jones 0,68%. (Quellen: The Inquirer; Financial Express; Logos-Pres; Yahoo Finance; Reuters).
  • Schneider Electric übernimmt die Shelly Group in einem Milliardendeal. Die Shelly Group hat den Abschluss einer Investitionsvereinbarung mit dem französischen Industriekonzern Schneider Electric bekannt gegeben. Die Vereinbarung sieht ein freiwilliges Übernahmeangebot für alle Aktien des Unternehmens zu einem Barpreis von 70 EUR je Aktie vor. Der Angebotspreis bewertet die Shelly Group vor Berücksichtigung der Verschuldung mit rund 1,2–1,27 Mrd. EUR (ca. 1,4–1,45 Mrd. USD). Voraussetzung für das Zustandekommen des Angebots ist der Erwerb von mindestens 95% des Grundkapitals – sollte dies gelingen, beabsichtigt Schneider ein Delisting des Unternehmens von der Börse. (Quellen: Financial Times; TradingView; Reuters; Investing.com).
  • H&M überrascht den Markt mit starkem Gewinnwachstum. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres (Juni–August) steigerte der schwedische Bekleidungsriese seinen Betriebsgewinn auf 6,04 Mrd. SEK (schwedische Kronen), verglichen mit 4,91 Mrd. SEK im Vorjahreszeitraum. Dieses Ergebnis übertraf den Analystenkonsens, der bei rund 5,14 Mrd. SEK lag, deutlich. Der Umsatz legte in diesem Zeitraum in lokalen Währungen um rund 1% zu, und die Unternehmensführung signalisiert für September eine ähnliche Wachstumsdynamik (+1% im Jahresvergleich). (Quellen: Reuters; WKZO; Euronext).

Im Marktfokus

  • Zwei Gesichter der Zentralbanken: BoJ und SNB. Wie zuvor angekündigt, hat die Bank of Japan (BoJ) ihren Leitzins im September auf 1,25% angehoben (der höchste Stand seit Mitte der 1990er-Jahre) – eine Reaktion auf höhere Energieimportkosten und Lohndruck. Am Markt kursieren sogar persönliche Prognosen ehemaliger Währungshüter (u. a. Makoto Sakurai) über einen möglichen Zinsanstieg in Richtung 2% bis 2027. Völlig anders stellt sich die Lage in der Schweiz dar, wo die Inflation mit rund 1% im Jahresvergleich sehr niedrig bleibt. Marktberichten zufolge beließ die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen nahe 0%. Diese Diskrepanz macht den Schweizer Franken (CHF) zu einer attraktiven Finanzierungswährung für Carry Trades (die Aufnahme von günstigem Kapital zur Anlage in höher verzinsten Vermögenswerten). (Quellen: The Guardian; The Standard; Investing.com; FXStreet).
  • Brent-Öl wieder über 100 USD. Zu Beginn der Woche war ein vorübergehender Preisrückgang unter 100 USD zu beobachten, doch in der zweiten Septemberhälfte durchbrachen die Notierungen für Brent erneut diese psychologische Marke und erreichten rund 103 USD (während WTI über 90 USD gehandelt wurde). Neben der erwähnten geopolitischen Risikoprämie verweisen Analysten auf angebotsseitige Störungen im Irak sowie Signale von Lieferbeschränkungen aus Saudi-Arabien an einige europäische Abnehmer. (Quellen: The Guardian; Trading Economics; bne IntelliNews).
  • EBRD senkt Prognosen für Schwellenländer. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat ihre BIP-Wachstumsprognose für das Jahr 2026 für 41 beobachtete Volkswirtschaften um 0,6 Prozentpunkte auf 2,5% gesenkt. Als Gründe nennt der Bericht unter anderem die Folgen des Krieges in der Ukraine, hohe Energie- und Schuldendienstkosten sowie schwächere Ölexporte aus dem Irak. Analysten weisen auf eine zunehmende Asymmetrie zwischen der robusten Nachfrage in den USA und dem Druck auf die Entwicklungsländer hin. (Quellen: bne IntelliNews; The Guardian).
  • Globaler Druck erreicht Australien. Die Entwicklungen am US-Anleihemarkt zeigten auch in Down Under Wirkung. Vor Eröffnung des Donnerstags-Handels signalisierten die Futures auf den australischen Leitindex ASX 200 ein Minus von rund 1,2%, was Marktbeobachter direkt auf die Schwäche an der Wall Street und die steigenden Anleiherenditen zurückführten. (Quellen: Kapitales).

Im Blickpunkt

  • 24.09. (09:30) – Schweiz: Zinsentscheid der SNB. Ein Schlüsselereignis für die Bewertung des Schweizer Frankens und die Bestätigung des zuvor beschriebenen Szenarios, wonach die Zinsen nahe null belassen werden.
  • 24.09. (10:00) – Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex. Der führende Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland. Die Ergebnisse dürften die Stimmung hinsichtlich der Wachstumsaussichten in der gesamten Eurozone prägen, was nach den gestrigen PMI-Daten von entscheidender Bedeutung ist.
  • 24.09. (14:30) – USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Wöchentliche Daten, die als Frühindikator für eine mögliche Abkühlung des US-Arbeitsmarktes dienen. Sie werden vor dem Hintergrund der aktuellen Sorgen über die hohen Anleiherenditen aufmerksam verfolgt werden.
  • 25.09. (07:00) – Japan: Kerninflation (Core CPI). Das von der Bank of Japan bevorzugte Maß. Die Daten werden entscheidende Hinweise auf das Tempo der weiteren geldpolitischen Normalisierung nach der jüngsten historischen Zinserhöhung liefern.
  • 25.09. (11:15) – Großbritannien: Rede des Gouverneurs der Bank of England. Die Märkte suchen nach Hinweisen auf die Aussichten für die britische Inflation und Geldpolitik, insbesondere angesichts des jüngst gemeldeten massiven Anstiegs der Staatsverschuldung.
  • 25.09. (14:30) – USA: Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter. Vorläufiger Bericht, der das Ausmaß der Unternehmensinvestitionen und die Verfassung der US-Industrie widerspiegelt, die in letzter Zeit starke Daten lieferte und damit den Anstieg der Anleiherenditen antrieb.
Jacek Pobłocki
Jacek Pobłocki

Finanzanalyst für Märkte und Wertpapiere
Trader und Börseninvestor, Unternehmer.
Gründer der Akademia ANALIZ — eines eigenen individuellen Mentoring-Programms und von Workshops für Trader und Investoren, in denen er sein erworbenes Wissen und praxisnahe Analysen weitergibt.

Seit über einem Jahrzehnt investiert er aktiv sowohl kurz- als auch langfristig. Er befasst sich mit der täglichen Analyse globaler Märkte, wichtiger geopolitischer Ereignisse und fundamentaler Daten sowie mit dem „Aufspüren von Smart Money", um deren Einfluss auf die dominierenden Börsentrends zu verfolgen.

Entwickler eines eigenen Indikatorensystems, das Trendausbrüche, Volumendynamik und sich bildende Konsolidierungen in Echtzeit erkennt.

Absolvent des postgradualen Studiengangs „Finanzanalyst für Märkte und Wertpapiere" an der Kozminski-Universität und der Technischen Universität Gdańsk.

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