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Guten Morgen an diesem Sonntag. Die Börsen sind heute geschlossen, was den Anlegern Zeit gibt, die Ereignisse vom Ende der Woche in Ruhe zu verarbeiten und sich auf die kommenden Handelssitzungen vorzubereiten. Die Erzählung von der „weichen Landung“ der Wirtschaft, die noch am Freitag die Märkte dominierte, wird nun durch eine plötzliche Eskalation der Spannungen im Nahen Osten auf die Probe gestellt. Vor uns liegt eine Woche, in der sich die Aufmerksamkeit der Märkte von der US-Notenbank (Fed) hin zu Europa und der entscheidenden Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) verschieben wird.
Geopolitisches Umfeld
- Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Es kam zu gegenseitigen militärischen Angriffen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, was unmittelbar zu Störungen der Schifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus führte.
- Angesichts der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten sind die Ölpreise stark gestiegen. Für die Finanzmärkte bedeutet dies die Rückkehr eines klassischen Angebotsschocks – ein plötzlicher Anstieg der Energiekosten ist ein Faktor, der den Zentralbanken den Kampf gegen die Inflation erschweren könnte und damit zu einem der Hauptthemen zur Eröffnung der Montagssitzung wird. (Quellen: The Guardian; Al Jazeera; Trading Economics; The National News.)
Die wichtigsten Themen heute
- Steigende Ölpreise stellen eine neue Herausforderung für den globalen Disinflationspfad dar. Die durch geopolitische Faktoren ausgelösten Anstiege bei den Energierohstoffen erschweren das makroökonomische Gesamtbild. Der Markt, der noch am Freitag optimistisch von einem langsamen und stabilen Rückgang der Inflation hin zu den Zielen der Zentralbanken ausging (der sogenannten „weichen Landung“), muss nun das Risiko einbeziehen, dass teureres Öl die Transport- und Produktionskosten erneut in die Höhe treibt. Dies könnte wiederum die erwarteten Zyklen von Zinssenkungen verzögern. (Quellen: Trading Economics; Marktanalysen.)
- Die Wirtschaft der Eurozone sendet weiterhin gemischte Signale vor der EZB-Sitzung am Donnerstag. Die makroökonomischen Daten aus dem alten Kontinent deuten auf eine deutlich schwächere Aktivität im verarbeitenden Gewerbe hin, während das Inflationsbild selbst uneinheitlich bleibt (der Preisdruck lässt nach, jedoch nicht gleichmäßig in allen Sektoren). Diese Situation bringt die Europäische Zentralbank in eine schwierige Lage – einerseits würde die schwächelnde Industrie günstigere Kredite erfordern, andererseits gebietet die anhaltende Inflation Vorsicht. (Quellen: Eurostat; nationale Statistikbehörden; European Central Bank.)
- Anleger beobachten aufmerksam die Signale aus China, die sich auf die globale Risikobereitschaft auswirken. Der Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und die Mitteilungen der dortigen Institutionen wirken sich unmittelbar auf die Rohstoffmärkte und die globalen Lieferketten aus. Angesichts der schwächeren Wachstumsdaten der vergangenen Wochen sucht der Markt nach Bestätigung, ob sich Peking für eine stärkere strukturelle Unterstützung seiner Wirtschaft entscheiden wird. (Quellen: Marktdaten aus dem Handel; Bloomberg; Reuters; Nikkei Asia.)
Im Hintergrund der Märkte
- Abhängigkeit von den US-Renditen. Zur Erinnerung: Gegen Ende der vergangenen Woche standen die Aktien- und Devisenmärkte weiterhin stark unter dem Einfluss der hohen Renditen amerikanischer Staatsanleihen (US Treasuries). Ein starker Dollar übt traditionell Druck auf die Schwellenländer aus. In der kommenden Woche werden Anleger beobachten, ob die neuen geopolitischen Risiken eine Kapitalflucht in sogenannte sichere Häfen (Safe Havens) auslösen, zu denen gerade amerikanische Anleihen und der Dollar selbst zählen.
- Erwartung der Berichtssaison in Europa. Auch wenn die Aufmerksamkeit auf der Makroökonomie liegt, ist die Saison der Quartalsberichte der Unternehmen in vollem Gange. Die Märkte bleiben äußerst selektiv – Anleger bestrafen Unternehmen mit hohen Bewertungen (insbesondere aus dem Technologiesektor) hart, wenn diese die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen.
Beobachten lohnt sich
- 20.07 (Montag) – China: Entscheidung der Volksbank China (PBoC) zu den Leitzinsen. Die Entscheidung über die wichtigsten Kreditzinsen (LPR) wird die Richtung für die Kreditkosten in China vorgeben und ist entscheidend für die Bewertung der Erholungsaussichten der dortigen Wirtschaft. Dies könnte sich auf asiatische Währungen und Industrierohstoffe auswirken.
- 20.07 (Montag) – Kanada: Verbraucherpreisindex (CPI). Die Inflationsdaten für Juni werden ein entscheidender Faktor für die Bank of Canada bei der Planung weiterer Zinsschritte sein.
- 22.07 (Mittwoch) – Vereinigtes Königreich: Verbraucherpreisindex (CPI). Die Juni-Daten zur Preisdynamik auf der Insel werden für die Bank of England vor ihrer bevorstehenden Sitzung von zentraler Bedeutung sein. Jede Abweichung von den Prognosen könnte zu erhöhter Volatilität beim britischen Pfund (GBP) führen.
- 23.07 (Donnerstag) – Eurozone: EZB-Entscheidung und Pressekonferenz (14:15 und 14:45). Dies ist das wichtigste Ereignis der kommenden Woche in Europa. Nach der jüngsten Zinserhöhung erwartet der Markt eine vorübergehende Pause, doch die Aufmerksamkeit der Anleger wird sich vollständig auf die Kommunikation von Präsidentin Christine Lagarde und die Hinweise darauf richten, wie die EZB die Auswirkungen der neuen geopolitischen Spannungen auf den Inflationspfad bewertet.
