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Die heutige Handelssitzung steht im Zeichen einer wachsenden Risikoaversion und deutlicher Umschichtungen in den Portfolios der Anleger. Einerseits verarbeiten die Märkte Berichte über eine mögliche, beispiellose Fusion innerhalb des Imperiums von Elon Musk, andererseits kämpfen sie mit wieder aufflammenden Sorgen über die gigantischen Investitionskosten im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Hinzu kommen wachsende Spannungen im Nahen Osten, die die Rohstoffpreise in die Höhe treiben, sowie eine zunehmend nervöse Lage am europäischen Rentenmarkt, an dem die Renditen französischer Staatsanleihen langjährige Höchststände durchbrechen.
Geopolitisches Umfeld
- Anhaltende Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise. Kürzlich berichteten wir über Marktsorgen hinsichtlich der Schifffahrtssicherheit im Roten Meer, die die Rohstoffpreise nach oben getrieben hatten. Heute Morgen verstärkte sich dieser Trend nach Berichten über weitere Angriffe in Saudi-Arabien, die den Huthi-Rebellen zugeschrieben werden. Als Reaktion darauf stieg der Preis für Rohöl der Sorte Brent auf 110,75 USD pro Barrel und für die US-Sorte WTI auf 98,58 USD. Obwohl die Auswirkungen dieser Ereignisse auf die tatsächlichen Lieferungen noch nicht bestätigt sind, treibt allein die geopolitische Risikoprämie die Notierungen spürbar an. (Quellen: Reuters; ICIS)
Die wichtigsten Themen heute
- Verwaltungsräte von SpaceX und Tesla prüfen historische Fusion. Nach Angaben von Elon Musk wurden Sonderausschüsse aus unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern beider Unternehmen eingesetzt, um die Möglichkeit einer Fusion dieser beiden Riesen zu prüfen. Eine solche Transaktion würde ein beispielloses Technologie- und Industriekonglomerat schaffen. Parallel dazu glänzte SpaceX mit hervorragenden Finanzergebnissen für das 3. Quartal und meldete einen Umsatz von rund 14,6 Mrd. USD (deutlich über dem Marktkonsens) sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 0,45 USD. (Quellen: CNBC)
- Französische Staatsanleihen unter historischem Druck. Am französischen Rentenmarkt setzt sich der Ausverkauf fort, über den wir bereits im gestrigen Briefing im Kontext lokaler sozialer Unruhen berichtet hatten. Gestern durchbrach die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen die psychologische Marke von 5,002 % – der höchste Stand seit 2002. Zudem näherte sich die Prämie, die Anleger für den Kauf französischer Schuldtitel gegenüber den sichereren deutschen Bundesanleihen verlangen (der sogenannte Spread), fast 160 Basispunkten (Bp) und kehrte damit auf ein Niveau zurück, das seit der Schuldenkrise von 2011 nicht mehr zu beobachten war. Der Markt preist sichtlich ein höheres fiskalisches und politisches Risiko Frankreichs ein. (Quellen: Reuters; CNBC)
- KI-Investitionskosten belasten asiatische Börsen. Der MSCI Asia-Pacific Index (ohne Japan) fiel um 1,8 % auf den niedrigsten Stand seit fast drei Monaten und steuert auf die vierte Verlustwoche in Folge zu. Analysten zufolge wurde der Ausverkauf von Verlusten im Technologiesektor angeführt. Unter den Anlegern wachsen die Zweifel, ob sich die astronomischen Ausgaben für KI-Infrastruktur schnell genug bezahlt machen werden. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die Stimmung in der Region waren die oben genannten Spannungen am Persischen Golf. (Quellen: Reuters)
- Britische Staatsfinanzen stärker belastet als erwartet. Zur Erinnerung: Gestern wurden die Märkte von unerwartet hohen britischen Inflationsdaten überrascht (der VPI stieg im Jahresvergleich auf 3,5 %). Heute wurde dieses restriktive Bild durch Daten zur Lage der Staatsfinanzen ergänzt. Im September belief sich die Nettokreditaufnahme des öffentlichen Sektors im Vereinigten Königreich auf 24,5 Mrd. GBP und übertraf damit die offiziellen Prognosen (OBR) um 1,9 Mrd. GBP. Das Zusammentreffen von hartnäckiger Inflation und hohem staatlichem Finanzierungsbedarf schafft ein äußerst schwieriges Umfeld für die Bank of England vor den anstehenden Zinsentscheidungen. (Quellen: ONS; Euronews)
Im Hintergrund der Märkte
- Quartalsergebnisse von Meta und Tesla. Meta übertraf die Umsatzerwartungen für das 3. Quartal und beruhigte die Anleger mit einer optimistischen Prognose für das Jahresende, deren Mittelwert bei einem Umsatz von 74,5 Mrd. USD lag (über dem Marktkonsens). Tesla meldete unterdessen parallel zu den Fusionsberichten mit SpaceX einen Quartalsumsatz von rund 28,05 Mrd. USD und erwirtschaftete einen freien Cashflow (FCF) von 1,53 Mrd. USD. (Quellen: CNBC; Yahoo Finance)
- Super Micro legt die Messlatte höher. Der Anbieter von Serverlösungen für die KI-Branche veröffentlichte vorläufige Schätzungen, in denen er seine Umsatzprognose für das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2027 deutlich auf eine Spanne von 18,5 bis 19,5 Mrd. USD anhob (zuvor 14,5 bis 15,5 Mrd. USD). Das Unternehmen rechnet zudem mit einer höheren Bruttomarge von 12,0 bis 12,5 %. Dies ist ein wichtiges Signal für die Hardware-Nachfrage und dient als Gegengewicht zu den Bedenken hinsichtlich der Rentabilität von KI-Investitionen, die heute an den asiatischen Märkten zu beobachten waren. (Quellen: U.S. News)
- Falkenhafte Signale aus Indien und ein viel beachtetes IPO. Das Protokoll der jüngsten Sitzung der indischen Zentralbank (RBI) signalisierte die Bereitschaft zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik, was die Rendite der dortigen Benchmark-Anleihen nahe 7,45 % hielt. Dennoch bleibt die Risikobereitschaft am Kapitalmarkt hoch: Der Börsengang (IPO) von Jio Platforms stößt auf enormes Interesse, und bereits nach dem ersten Zeichnungstag war das Kontingent für institutionelle Anleger (QIB) mehr als 9-fach überzeichnet. (Quellen: The Economic Times; Upstox)
Was man im Auge behalten sollte
- 22.10. (14:30 Uhr) – USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Wöchentlicher Frühindikator für die Verfassung des US-Arbeitsmarktes. Entscheidend für die Markterwartungen bezüglich des Zinspfads der Federal Reserve, insbesondere vor dem Hintergrund von Sorgen um das Wirtschaftswachstum.
- 23.10. (01:30 Uhr) – Japan: Landesweiter Verbraucherpreisindex (VPI). Dieser Wert wird ausschlaggebend sein für die Erwartungen an eine weitere Normalisierung der Geldpolitik und mögliche Zinserhöhungen durch die Bank of Japan (BoJ).
- 23.10. (09:15 – 15:45 Uhr) – Eurozone, UK, USA: Vorläufige Einkaufsmanagerindizes (Flash-PMI). Am Freitag erhalten wir ein erstes Bild der Wirtschaftsaktivität im Industrie- und Dienstleistungssektor der weltweit größten Volkswirtschaften (Veröffentlichungen nacheinander für Frankreich, Deutschland, die Eurozone insgesamt, Großbritannien und die USA). Diese Daten werden das Sentiment gegenüber den Hauptwährungen und Anleihen zu Beginn des 4. Quartals maßgeblich prägen.
- 23.10. (16:00 Uhr) – USA: Verbraucherstimmung der University of Michigan (endgültige Daten). Der Bericht enthält die für die Fed besonders wichtigen langfristigen Inflationserwartungen, die zeigen werden, ob die Inflation in den Köpfen der Amerikaner weiterhin fest verankert ist.
- 26.10. (10:00 Uhr) – Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex. Die Veröffentlichung zu Beginn der kommenden Woche dient als wichtigstes Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft und erlaubt eine bessere Einschätzung der europäischen Wachstumsaussichten.
Die Zusammenstellung ausgewählter Daten für diesen Artikel, die Bearbeitung des Textes sowie die Übersetzungen erfolgten unter Einsatz künstlicher Intelligenz.
