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Guten Morgen! Der Handelstag am Freitag ist für Anleger vor allem ein großer Countdown bis zur Veröffentlichung des wichtigsten Makroökonomie-Berichts dieser Woche – den US-Arbeitsmarktdaten. Bevor diese Zahlen jedoch bekannt werden, müssen die Märkte eine steile Korrektur im asiatischen Technologiesektor sowie die zunehmenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verdauen, die die Energiepreise erneut in die Höhe treiben und zur Vorsicht mahnen.
Geopolitisches Umfeld
Die Rohölpreise (sowohl der europäischen Sorte Brent als auch der US-Sorte WTI) sind nach erneuten Militäraktionen der USA gegen den Iran kräftig gestiegen. Aus Marktdaten geht hervor, dass der Tankerverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus nach iranischen Aktionen gegen Transportschiffe erheblich eingeschränkt wurde. Dies schürt ernste Sorgen um die Sicherheit der globalen Energieversorgung und eine Rückkehr des Inflationsdrucks. Obwohl Marktdienste berichteten, dass US-Index-Futures in Phasen korrigierender Ölpreise Erholungsversuche unternahmen, preisen Anleger weiterhin ein hohes Risiko einer weiteren Eskalation dieses Konflikts ein. (Quellen: IndexBox; The Straits Times; Gulf Times; Reuters; Investing.com; Gulf News)
Das Wichtigste heute
- Lackmustest für die US-Wirtschaft und die Leitzinsen. Heute richtet sich die Aufmerksamkeit der Wall Street auf die Veröffentlichung des NFP-Berichts (Non-Farm Payrolls – Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft). Umfragen deuten darauf hin, dass der Markt für Juli mit einem Stellenaufbau von 80–90 Tsd. sowie einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf etwa 4,3 % rechnet. Die Logik für die Märkte ist einfach: Ein stärker als erwartet ausfallender Bericht würde das Szenario länger anhaltend hoher Zinsen (oder sogar einer Zinsanhebung) stützen, während schwächere Daten die Erwartungen an eine raschere Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank (Fed) schüren würden. (Quellen: Reuters; CMC Markets; Moomoo)
- Uneinigkeit in der Fed und eine schwierige Aufgabe für den Vorsitzenden. Die Aufregung um die heutigen Daten wird durch die jüngste Sitzung des FOMC (Federal Open Market Committee – der offene Marktausschuss der US-Notenbank) noch verstärkt. Obwohl die Zinsen offiziell unverändert blieben, zeigte die Abstimmung mit 9:3 eine falkenhafte Fraktion (die eine restriktive Politik befürwortet) – die regionalen Fed-Präsidenten Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan stimmten für eine sofortige Zinsanhebung um 25 Basispunkte. Derzeit versucht Fed-Chef Kevin Warsh, die Marktwahrnehmung dieser Sitzung zu korrigieren und die Inflationserwartungen neu zu verankern. (Quellen: The Motley Fool; Bloomberg; Economic Times; Investing.com)
- Atemnot im asiatischen Halbleitersektor. Während wir gestern noch über europäische Indizes berichteten, die dank der Technologie-Hausse Rekorde brachen, sind die Märkte in Asien Anfang August in eine deutliche Korrektur eingetreten. Der südkoreanische KOSPI-Index und der japanische Nikkei 225 verzeichneten Verluste von mehreren Prozent. Starker Verkaufsdruck traf Giganten wie Samsung Electronics oder SK Hynix, die um etwa 7–8 % nachgaben. Marktanalysen führen diese Rückgänge auf eine Kombination aus enttäuschenden Unternehmensergebnissen und wachsenden Sorgen darüber zurück, ob sich die gigantischen Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und Speichertechnologie rasch in nachhaltigem Gewinnwachstum niederschlagen werden. (Quellen: Investing.com; The Week)
- Peking und Hongkong stärken den Yuan und den Goldmarkt. Die Chinesische Volksbank (PBOC) bekräftigt ihre „moderat lockere“ Geldpolitik und nutzt aktiv kurzfristige Liquiditätsmaßnahmen (sog. Reverse Repos), um die Marktliquidität auf angemessenem Niveau zu halten. Parallel dazu setzen die Behörden Maßnahmen zur Vertiefung der Anleihe- und Goldmärkte um. Besonders bedeutsam ist die Einführung eines zentralen Gold-Clearingsystems in Hongkong sowie des „Delivery Connect“-Mechanismus mit der Börse in Shanghai. Dieser Schritt stärkt die Rolle Hongkongs als zentrales Drehkreuz für den physischen Edelmetallhandel in der Region erheblich. (Quellen: The Straits Times; SCMP; NDTV Profit)
Im Hintergrund der Märkte
- Beben bei großem Eisenerzhändler. Das Unternehmen Radiant World geriet unter starken Druck, nachdem große Handelshäuser – Vitol, Cargill und Glencore – neue Transaktionen mit dem Unternehmen ausgesetzt haben. Diese Entscheidung folgte auf das Auftauchen zweifelhafter oder ungültiger Rechnungen und Dokumente, die zur Handelsfinanzierung genutzt wurden. Derzeit prüfen einige Finanzinstitute, darunter Intesa Sanpaolo, ihr Engagement bei diesem Unternehmen intensiv. (Quellen: Bloomberg; Reuters; Economic Times; Investing.com)
- Erwartungen an die US-Technologie- und Industriebranche. Die Berichtssaison läuft weiter. Anleger erwarten, dass Cloudflare sein zweistelliges Umsatzwachstum beibehält, da das Unternehmen von der Nachfrage nach Cloud-Lösungen und KI profitiert. Ein solides Wachstum und eine verbesserte Profitabilität erhofft sich der Markt auch vom Bericht von Airbnb. Im Industriesektor wiederum veröffentlicht der Gigant Honeywell nach einer jüngsten Portfolio-Restrukturierung aktualisierte Gewinn- und Umsatzprognosen. (Quellen: MarketBeat; Robinhood)
- Russische Zentralbank unter Druck. Es mehren sich Anzeichen für einen immer stärkeren politischen Druck auf die Russische Zentralbank. Öffentliche Aufforderungen seitens der Staatsführung zur Lockerung der Geldpolitik und zu Zinssenkungen werfen Fragen bezüglich der Unabhängigkeit dieser Institution im Kriegsumfeld auf. (Quellen: Webindia123; Bank of Russia data)
Was zu beobachten ist
Der Freitagshandel wird von Daten aus Nordamerika dominiert, doch Anleger mit Asien-Engagement müssen auch über das Wochenende wachsam bleiben, wenn wichtige Daten aus China und Japan anstehen.
- 07.08. (Heute), 07:00 Uhr – China: Handelsbilanz. Ein Bericht über die Dynamik der chinesischen Exporte und Importe, entscheidend für die Beurteilung der globalen Nachfrage.
- 07.08. (Heute), 14:30 Uhr – USA: NFP-Bericht und Arbeitslosenquote. Das absolut wichtigste Ereignis des Tages. Diese Daten werden über die Stimmung an den Aktienmärkten und die Einpreisung künftiger Fed-Schritte entscheiden (Details im Abschnitt „Das Wichtigste heute“).
- 07.08. (Heute), 14:30 Uhr – Kanada: Beschäftigungsveränderung und Arbeitslosenquote. Die zeitgleiche Veröffentlichung zum kanadischen Arbeitsmarkt beeinflusst direkt die Bewertung des Kanadischen Dollars (CAD).
- 09.08. (Sonntag), 02:30 Uhr – China: Verbraucher- (CPI) und Erzeugerpreise (PPI). Die Daten am Sonntag werden das Ausmaß des Deflationsdrucks in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zeigen.
- 09.08. (Sonntag), 23:50 Uhr – Japan: Zusammenfassung der Meinungen der BoJ (Bank of Japan). Ein wichtiger Hinweis vor der Markteröffnung in der neuen Woche bezüglich der Bereitschaft japanischer Entscheidungsträger zu weiteren Zinsanhebungen.
- 10.08. (Montag), 10:30 Uhr – Eurozone: Sentix-Konjunkturindex. Befragung zur Stimmung institutioneller Anleger in Europa.
- 11.08. (Dienstag), 06:30 Uhr – Australien: RBA-Zinsentscheid. Ein wichtiges Ereignis für die Rohstoffmärkte und den Australischen Dollar.
