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Der Mittwochmorgen bringt eine Fortsetzung der Beruhigung an den Finanzmärkten. Das Ausbleiben neuer, drastischer Nachrichten aus aller Welt ermöglicht es den Anlegern, sich voll und ganz auf die makroökonomischen Fundamentaldaten und die Vorbereitungen auf das wichtigste Ereignis dieser Woche zu konzentrieren – die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die heutige Sitzung wird relativ ruhig verlaufen, und die Aufmerksamkeit des Kapitals wird sich vor allem auf die wichtigen Inflationsdaten aus Großbritannien richten, die das Bild der dortigen Wirtschaft nach den gestrigen Arbeitsmarktdaten vervollständigen werden.
Das Wichtigste heute
- Ein entscheidender Test für die Inflation in Großbritannien. Heute um 09:00 Uhr werden die britischen Verbraucherpreisdaten (CPI – Consumer Price Index) für Juni veröffentlicht. Zur Erinnerung: Gestern analysierten die Märkte den dortigen Arbeitsmarktbericht, bei dem ein starkes Lohnwachstum eine Lockerung der Geldpolitik erschwerte. Der heutige Rückgang der Kerninflation oder eine mögliche Überraschung nach oben wird ein entscheidendes Puzzleteil für die Bank of England (BoE) vor ihrer für den 30. Juli geplanten Zinsentscheidung sein. Diese Daten werden sich direkt auf die Volatilität des britischen Pfunds (GBP) und die Bewertung britischer Anleihen auswirken. (Quellen: ONS).
- Märkte halten vor der EZB-Entscheidung am Donnerstag den Atem an. Wie wir in den letzten Tagen berichtet haben, positioniert sich das Kapital in Europa im Hinblick auf die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank. Die Institution steht vor einem Dilemma: Eine schwächelnde Industrie würde Zinssenkungen und günstigere Kredite erfordern, doch die Inflation im Dienstleistungssektor bleibt „hartnäckig“ (schwer dauerhaft zu senken und verharrt auf einem erhöhten Niveau). Derzeit gehen die Anleger von einer Pause aus, was bedeutet, dass der Einlagensatz bei 2,25 % belassen wird. Wichtiger als die Entscheidung selbst wird jedoch die nachmittägliche Kommunikation von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihre Einschätzung des zukünftigen Inflationspfads sein. (Quellen: Europäische Zentralbank; Eurostat).
Im Hintergrund der Märkte
- Die Berichtssaison im Technologiesektor verzeiht keine Fehler. Wir möchten daran erinnern, dass an der Wall Street die Saison der Quartalsberichte noch in vollem Gange ist. In einem Umfeld weiterhin hoher Zinsen ist das Kapital sehr anspruchsvoll. Technologieunternehmen (sog. Big Tech), die über extrem hohe Bewertungen verfügen, müssen makellose Ergebnisse und optimistische Prognosen liefern. Jede Enttäuschung droht mit einem abrupten Ausverkauf, was von den Anlegern eine sehr strenge Selektion in ihren Portfolios erfordert.
- Der Druck auf die Schwellenländer hält an. Wir beobachten eine Fortsetzung des Trends, bei dem hohe Renditen von US-Staatsanleihen (US Treasuries) und ein starker Dollar (USD) wie ein Magnet auf globales Kapital wirken. Eine solche Flucht in „sichere Häfen“ entzieht den Schwellenländern (Emerging Markets) traditionell Liquidität, was die dortigen Zentralbanken dazu zwingt, eine hawkishe (restriktive) Politik beizubehalten.
Was man im Auge behalten sollte
- 22.07. (16:30 Uhr) – USA: Rohölbestände. Der wöchentliche Bericht der EIA (Energy Information Administration) über die Rohölvorräte in den USA. Diese Daten sind besonders wichtig für die Preisbildung der Sorten Brent und WTI angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen, die sich auf die Energieversorgungsketten auswirken könnten.
- 23.07. (03:30 Uhr) – Australien: Beschäftigungsänderung und Arbeitslosenquote. Wichtige Daten vom australischen Arbeitsmarkt für Juni. Sollte die Beschäftigung stark bleiben, erhält die dortige Zentralbank (RBA) Argumente für die Beibehaltung hoher Zinssätze, was den australischen Dollar (AUD) stützen könnte.
- 23.07. (14:15 Uhr und 14:45 Uhr) – Eurozone: EZB-Zinsentscheidung und Pressekonferenz. Das wichtigste makroökonomische Ereignis der Woche. Die Entscheidung über die Geldkosten und der anschließende Auftritt von Präsidentin Christine Lagarde werden die Stimmung an den europäischen Börsen und den Kurs des Euro (EUR) für die kommenden Wochen bestimmen.
- 23.07. (14:30 Uhr) – USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie Kanada: Einzelhandelsumsätze. Zeitgleich erfahren wir das aktuelle Barometer für den Zustand des US-Arbeitsmarktes (wichtig für die Fed-Politik) sowie Einzelhandelsdaten aus Kanada, die die Stärke des dortigen Verbrauchers widerspiegeln.
- 24.07. (01:30 Uhr) – Japan: Kern-Verbraucherpreisindex (CPI). Die letzten Inflationsdaten vor der bevorstehenden Sitzung der Bank of Japan. Eine Beschleunigung der Preisdynamik könnte die Erwartungen an eine Straffung der Geldpolitik durch die BoJ verstärken, was normalerweise den japanischen Yen (JPY) aufwertet.
- 24.07. (ab 09:15 Uhr) – Europa und USA: Vorläufige Einkaufsmanagerindizes (PMI). Die am Freitag anstehende Reihe von Veröffentlichungen spiegelt den Zustand von Industrie und Dienstleistungen in den größten Volkswirtschaften der Welt wider (Frankreich, Deutschland, Eurozone, Großbritannien, USA). Diese Indizes (bei denen die 50-Punkte-Marke Wachstum von Kontraktion im Sektor trennt) liefern ein erstes Bild der wirtschaftlichen Lage zu Beginn des dritten Quartals.
