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Guten Morgen! Wir nähern uns dem Ende der Woche mit einem spürbaren Hauch von Marktoptimismus. Schwächere Inflationsdaten aus den USA haben die Anleger in der Überzeugung bestärkt, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vorerst auf weitere Zinserhöhungen verzichten wird. Diese Aussicht erwies sich als perfekter Treibstoff für eine Rückkehr der Tech-Rallye und trieb die US-Indizes auf Allzeithochs. Auf der anderen Seite hält das Fieber an den Rohstoffmärkten an – Edelmetalle legen kräftig zu, und die Rohölpreise preisen weiterhin geopolitische Risiken im Nahen Osten ein. Heute richtet sich der Fokus der Märkte auf wichtige US-Wirtschaftsdaten, die Aufschluss über die Verfassung der dortigen Verbraucher geben werden.
Geopolitisches Umfeld
Die Lage rund um die Straße von Hormus – einen der wichtigsten Knotenpunkte für den weltweiten Öltransport – bleibt äußerst angespannt. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und das Unternehmen ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) bestätigten, dass einer ihrer Tanker bei der Durchfahrt durch die Meerenge von einer Rakete getroffen wurde. Obwohl es keine Opfer gab, machten die VAE direkt den Iran für diesen Angriff verantwortlich.
Für die Märkte bedeutet dies das Fortbestehen der sogenannten „geopolitischen Prämie“ bei den Energiepreisen. Wie Analysten anmerken, spiegeln die steigenden Preise für Rohöl der Sorte Brent (die sich nach starken Anstiegen zu Wochenbeginn in den letzten Tagen im Bereich von 87–88 USD pro Barrel bewegen) vor allem die Marktstimmung und Zukunftsängste wider. Der physische Transport durch die Meerenge ist nicht vollständig blockiert, doch das Ausbleiben klarer diplomatischer Fortschritte und das Risiko eines plötzlichen Angebotsschocks verhindern wirksam eine Rückkehr der Notierungen des schwarzen Goldes auf das Niveau vor Ausbruch des Konflikts. (Quellen: WAM; Al Jazeera; Reuters; Moneycontrol).
Das Wichtigste heute
- Künstliche Intelligenz und Chips treiben globale Börsen erneut nach oben. Der US-Index S&P 500 schloss die jüngsten Handelstage auf Rekordniveau, wobei Technologieunternehmen und Akteure aus dem Bereich der KI-Infrastruktur einmal mehr die treibende Kraft dieser Rallye waren. Der Optimismus von der Wall Street schwappte rasch nach Asien über – Indizes wie der japanische Nikkei oder der südkoreanische KOSPI verzeichneten einige der stärksten Wochengewinne seit Monaten. Anleger kehren in Scharen in den Sektor der Speicher- und Halbleiterhersteller zurück, den sie als tragende Säule der fortschreitenden KI-Revolution betrachten. (Quellen: Reuters; TS2.Tech; EvansMay; Investing.com).
- Gold glänzt angesichts abkühlender US-Inflation immer heller. Der in dieser Woche veröffentlichte US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli wies einen Preisanstieg von 3,4 % im Jahresvergleich aus, bei einer Kerninflation von 2,5 %. In Verbindung mit früheren, schwächeren Arbeitsmarktdaten senkte dies die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im September deutlich. Diese Aussicht schwächt den Dollar sowie die Anleiherenditen und schafft ein ideales Umfeld für Edelmetalle. Infolgedessen verzeichnete Gold am Kassamarkt die stärkste wöchentliche Rallye seit Januar und notierte im Bereich von 4.330–4.370 USD pro Unze. Auch Silber verteuerte sich kräftig und näherte sich der Marke von 64 USD pro Unze. (Quellen: PipTheory; Fidelity/Reuters; IndexBox; Trading Economics).
- Bank of Japan (BoJ) rüstet sich unter dem Druck des schwachen Yen zum Handeln. Aus der veröffentlichten Zusammenfassung der BoJ-Julizitzung geht hervor, dass sich einige Vorstandsmitglieder für ein schnelleres Zinserhöhungstempo aussprechen, das über den bisherigen Rahmen hinausgeht. Verkompliziert wird die Lage durch den Yen-Kurs, der trotz jüngster Deviseninterventionen wieder auf ein Niveau von rund 158–159 gegenüber dem Dollar (USD/JPY) nachgab. Die schwache Währung trifft die japanischen Verbraucher über höhere Importkosten, was die Zentralbank zu einer hawkishen Haltung zwingt. Die Derivatemärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September derzeit mit etwa zwei Dritteln ein. (Quellen: Reuters; Nippon.com; FXBankForecast).
- Tag der Bewährungsprobe für die US-Verbraucher. Nach den Inflationsdaten richtet sich das Marktinteresse heute auf die Verfassung der US-Haushalte. Im Kalender stehen vor allem die US-Einzelhandelsumsätze für Juli im Fokus, bei denen der Analystenkonsens von einem moderaten Anstieg von rund 0,2–0,3 % im Monatsvergleich ausgeht. Zudem wird der vorläufige Wert des Verbraucherstimmungsindex der University of Michigan veröffentlicht, der auch die für die Fed entscheidenden Daten zu den Inflationserwartungen der Bürger enthält. Starke Zahlen würden Rezessionsängste dämpfen, schwache Werte hingegen könnten Sorgen um die Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft schüren. (Quellen: Livemint; Morningstar; ThinkSabio; Markets Today).
Im Hintergrund der Märkte
- Die Zinskosten für US-Staatsschulden steigen rasant. Laut Daten des CBO (Congressional Budget Office) erreichten die Zinsausgaben für die US-Bundesschulden in den ersten 10 Monaten des laufenden Haushaltsjahres rund 963 Mrd. USD, was einem gewaltigen Anstieg von etwa 14 % im Jahresvergleich entspricht. Unterdessen versteigert das US-Finanzministerium in dieser Woche 30-jährige Staatsanleihen im Wert von rund 25 Mrd. USD, deren Renditen am Sekundärmarkt um 5,2 % schwanken und damit die höchsten Stände seit über zwei Jahrzehnten anpeilen. (Quellen: Congressional Budget Office; Fortune; Newsquawk).
- Eurozone kämpft weiterhin mit Preisdruck. Die HVPI-Inflation (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) in der Eurozone belief sich im Juli auf rund 2,9 % im Jahresvergleich, hauptsächlich getrieben durch höhere Energiepreise. Ökonomenumfragen deuten darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) als Reaktion auf diese Zahlen im September eine weitere Zinsanhebung um 25 Basispunkte beschließen könnte, während die Märkte von einem bis mindestens Mitte 2027 anhaltend erhöhten Zinsniveau ausgehen. (Quellen: Nomura Connects; BBVA Research; Morningstar).
- Verhaltener Optimismus bezüglich des britischen Wachstums. Vor der bevorstehenden Veröffentlichung offizieller Daten durch das britische Statistikamt (ONS) ging der Ökonomenkonsens davon aus, dass die britische Wirtschaft im 2. Quartal um rund 0,4 % gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, nach einem Plus von 0,6 % im 1. Quartal. Diese Prognosen unterstreichen die relative Widerstandskraft der britischen Wirtschaft im Vergleich zu einigen anderen G7-Staaten, wenngleich belastbare Daten zu Unternehmensinvestitionen noch abgewartet werden müssen. (Quellen: Independent; Yahoo Finance; Nomura Connects).
Termine im Blick
Heute liegt das Hauptaugenmerk auf den US-Verbrauchern und dem Wirtschaftswachstum in Europa. Zudem richtet sich der Blick auf wichtige Datenveröffentlichungen aus Asien zu Beginn der kommenden Woche:
- 14.08. (Heute) 11:00 Uhr – Eurozone: Vorläufige BIP-Schätzung für das 2. Quartal. Wichtiger Indikator für das Wirtschaftswachstumstempo mit erheblichem Einfluss auf künftige EZB-Entscheidungen.
- 14.08. (Heute) 14:30 Uhr – USA: Einzelhandelsumsätze für Juli. Wie bereits erwähnt, der heute wichtigste Gradmesser für die Verfassung der US-Verbraucher.
- 14.08. (Heute) 16:00 Uhr – USA: Vorläufiger Konsumklimaindex der University of Michigan. Umfrage zum Verbrauchervertrauen, die auch die viel beachteten Inflationserwartungen enthält.
- 17.08. (Montag) 01:50 Uhr – Japan: Vorläufiges BIP für das 2. Quartal. Dynamik der wirtschaftlichen Erholung, die über die Herbstschritte der Bank of Japan (BoJ) entscheiden könnte.
- 17.08. (Montag) 04:00 Uhr – China: Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion für Juli. Wichtiges Datenpaket, das Aufschluss über die Stärke der Binnennachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gibt.
- 17.08. (Montag) 14:30 Uhr – Kanada: Verbraucherpreisinflation (CPI). Bericht, der die Erwartungen an die bevorstehenden Zinsentscheide der Bank of Canada prägen wird.
- 18.08. (Dienstag) 08:00 Uhr – Großbritannien: Arbeitsmarktbericht. Arbeitslosenquote und Lohndynamik, entscheidend für die Beurteilung des Inflationsdrucks durch die Bank of England.
