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Guten Morgen! Nach dem gestrigen, von Spannung geprägten Warten auf die Schlüsseldaten aus den USA haben die Märkte endlich ihre Antwort erhalten. Die Verbraucherinflation in Übersee kühlt sich weiter langsam ab, was sich direkt auf die Erwartungen an die Herbstentscheidungen der Federal Reserve (Fed) auswirkt. Gleichzeitig sehen wir eine erneute Belebung im Sektor der künstlichen Intelligenz (KI), gestützt durch starke Ergebnisse von Infrastrukturunternehmen. Im Hintergrund schwelen jedoch weiterhin geopolitische Spannungen, die den Goldpreis auf historische Höchststände treiben.
Geopolitisches Umfeld
Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Treiber der Volatilität an den Rohstoffmärkten. Anhaltende Störungen im Seeverkehr und die geopolitische Risikoprämie sorgen dafür, dass die Preise für Rohöl der Sorte Brent auf hohem Niveau bleiben und nahe 89 USD pro Barrel pendeln.
Bemerkenswert ist jedoch eine interessante Kluft am Ölmarkt. Einerseits treibt die Angst vor Engpässen beim Angebot die Preise hoch, andererseits korrigieren die wichtigsten Agenturen ihre Prognosen für die Rohstoffnachfrage nach unten. Der neueste OPEC-Bericht senkt die Prognose für das globale Öl-Nachfragewachstum im Jahr 2026 auf ca. 580.000 Barrel pro Tag. Unabhängige Auswertungen der IEA-Prognosen (Internationale Energieagentur) zeigen wiederum, dass die globale Nachfrage in diesem Jahr um etwa 1 Mio. Barrel pro Tag schrumpfen könnte, was das Ergebnis hoher Treibstoffpreise ist, die die Verbraucher belasten. (Quellen: AKM; Inkl; EnergyNewsBeat; MacroAgentDesk; Reuters).
Das Wichtigste heute
- US-Inflation verlangsamt sich nach Plan und stützt die Vorsicht der Fed. Die gestrigen Daten für Juli 2026 zeigten, dass der Haupt-CPI (Verbraucherpreisindex) im Monatsvergleich um 0,1 % und im Jahresvergleich um 3,4 % stieg (Rückgang von 3,5 % im Juni), was genau dem Marktkonsens entsprach. Noch wichtiger sind die Daten zur Kerninflation (Core CPI, d. h. ohne schwankungsanfällige Lebensmittel- und Energiepreise), die auf ca. 2,5 % im Jahresvergleich fiel – der niedrigste Stand seit 2021. Für die Märkte bedeutet dies, dass Investoren nach einer Reihe schwächerer Arbeitsmarktdaten und dem aktuellen CPI-Wert die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinssätze im September unverändert bleiben, anstatt angehoben zu werden, auf über 50 % schätzen. (Quellen: PipTheory; CryptoSlate; MEXC Crypto Pulse; TradingKey; Newsquawk).
- Die heutigen US-Daten vervollständigen das Gesamtbild. Wir erwarten heute die Veröffentlichung der Erzeugerpreisinflation PPI (ein Index für die Preise ab Werk, der dem CPI oft vorangeht) für Juli sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (Jobless Claims). In Kombination mit der für heute geplanten Auktion 30-jähriger US-Staatsanleihen wird dies ein kritisches Informationspaket für die Bewertung des Fed-Zinspfads und der Renditekurve sein. (Quellen: Trading Economics; FirstPrint; Substack; MarketsDay; Newsquawk).
- KI-Infrastruktur treibt Technologie-Bullen erneut an. Gestern haben wir die hohen Erwartungen an Super Micro Computer erwähnt. Das Unternehmen erfüllte den Optimismus und gab eine Umsatzprognose für das nächste Quartal in beeindruckender Höhe von 14,5–15,5 Mrd. USD ab, was deutlich über dem Analystenkonsens liegt. Zusätzlich meldete CoreWeave (ein auf KI spezialisierter Cloud-Anbieter) einen gigantischen Auftragsbestand (Backlog) von 104 Mrd. USD, was zu einem zweistelligen Kursplus der Aktie führte. Dies bestätigt dem Markt, dass die Investitionswelle in Serverhardware und Chips unvermindert anhält, was die breitere Nachfrage nach Aktien des gesamten Sektors stützt. (Quellen: Stock Market Watch; Business Insider).
- Gold glänzt am stärksten und testet 4.400 USD pro Unze. Schwächere Arbeitsmarktdaten aus den USA, geringere Erwartungen bezüglich Fed-Zinserhöhungen (was die Renditen US-amerikanischer Anleihen senkt) sowie Spannungen in der Straße von Hormus schufen ein ideales Umfeld für Edelmetalle. Anfang August bewegte sich Gold im Bereich von Rekordhöhen und überschritt kurzzeitig die Marke von 4.400 USD. Darüber hinaus bleibt die physische Nachfrage sehr stark – die Chinesische Volksbank (PBoC) stockte ihre Reserven im Juli um ca. 20 Tonnen auf und setzte damit eine seit über 20 Monaten andauernde Kaufserie fort. (Quellen: Yahoo Finance; TradingKey; Bitrue; MiningWeekly; Caixin Global; China Daily; InvestorsKing).
- Riesiger Handelsüberschuss und Exportboom in China. Angesichts der schwachen Binnennachfrage (wie die gestrige, verhaltene CPI-Inflation in China zeigte) wirft das Reich der Mitte seinen Exportmotor an. Im Juli stiegen die Exporte um ca. 23,9 % y/y (in US-Dollar) und die Importe um ca. 27,5 % y/y (etwas unter den Erwartungen). Dies schlug sich in einem gewaltigen Handelsüberschuss von 112,5 Mrd. USD nieder. Diese Daten zeigen, dass Chinas Fabriken dank der starken externen Nachfrage, u. a. nach Technologie, auf Hochtouren laufen. (Quellen: Reuters; CNBC; Trading Economics; Polymerupdate; IndexBox).
Im Hintergrund der Märkte
- Massiver Aktienrückkauf und Optimismus rund um Vestas. Im Bereich der grünen Energie überraschte Vestas Wind Systems positiv. Das Unternehmen hob im Bericht für das II. Quartal seine EBIT-Margenprognose für das Gesamtjahr von zuvor 6–8 % auf 7–9 % an und verzeichnete einen deutlichen Profitabilitätsanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich wurde ein Aktienrückkaufprogramm (Buyback) im Wert von ca. 400 Mio. EUR angekündigt, was den Aktienkurs um ca. 20 % nach oben schnellen ließ – der größte Tagesgewinn des Unternehmens seit mehreren Jahren. (Quellen: Financial Post; Renewable Energy News; Mitteilung von Vestas).
- Schwächelnder Verbraucher in Japan vor wichtigen BoJ-Mitteilungen. Offizielle Daten zeigten, dass die Ausgaben der japanischen Haushalte im Juni um ca. 3,3 % y/y gesunken sind, was die Serie der Rückgänge in den letzten Monaten vertieft. Die Konsumschwäche ist eine harte Nuss für die Bank of Japan (BoJ), die versucht, die Geldpolitik zu normalisieren. Die Aufmerksamkeit des Marktes für den Yen (derzeit im Bereich von 159 pro Dollar) und die japanischen Zinsen bleibt hoch, insbesondere im Vorfeld der Veröffentlichung der „Summary of Opinions“ der jüngsten BoJ-Sitzung. (Quellen: Xinhua; Japan Times; Investing.com; Newsquawk).
- Asiatische Indizes atmen nach Korrektur durch. Nach den vorangegangenen steilen Rückgängen, die durch Sorgen um die US-Wirtschaft ausgelöst wurden, verzeichneten die Märkte in Asien (u. a. der südkoreanische KOSPI und der japanische Nikkei) in der ersten Augusthälfte Erholungen von einigen Prozent. Die Zugewinne wurden hauptsächlich von Halbleiterunternehmen (wie Samsung oder SK Hynix) getragen, und die hohe Volatilität führte dazu, dass an der koreanischen Börse zeitweise Handelsstopps/Schutzmechanismen gegen automatisierte Programme aktiviert wurden. (Quellen: TradingKey; Yonhap; Vietnam.vn; Modern Diplomacy).
- Adyen mit starken Wachstumsaussichten. Der europäische Digitalezahlungs-Riese gab im Rahmen vorläufiger Ergebnisse für das I. Halbjahr 2026 bekannt, dass er weiterhin ein hohes Nettoumsatzwachstum von über 20 % bei konstanten Wechselkursen anstrebt. Die Ergebnisse weisen auf ein zweistelliges Umsatzt- und Zahlungsvolumenwachstum hin, was die Investoren weitgehend beruhigt. (Quellen: Investing.com; Finimize; TradersUnion).
Im Fokus
Heute und in den kommenden Tagen wird sich die Aufmerksamkeit des Marktes von der Inflation auf harte Wirtschaftsdaten verlagern:
- 13.08. (Heute) 08:00 Uhr – Großbritannien: Vorläufiges BIP für das II. Quartal. Ein Wert, der den Pfund-Kurs und die Politik der Bank of England beeinflussen wird.
- 13.08. (Heute) 14:30 Uhr – USA: PPI-Inflation sowie Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Wie oben erwähnt, ist dies der wichtigste Punkt der heutigen Sitzung.
- 14.08. (Freitag) 11:00 Uhr – Eurozone: BIP (zweite Schätzung für das II. Quartal). Überprüfung des Erholungstempos auf dem Alten Kontinent; entscheidend für die weiteren Schritte der EZB.
- 14.08. (Freitag) 14:30 Uhr – USA: Einzelhandelsumsätze. Ein direkter Indikator für die Verfassung des US-Verbrauchers. Starke Daten werden Rezessionssorgen schwächen, schwache könnten sie erneut entfachen.
- 14.08. (Freitag) 16:00 Uhr – USA: Vorläufiger Bericht der Universität Michigan. Wichtige Umfrage zur Verbraucherstimmung und ihren Inflationserwartungen.
- 17.08. (Montag) – Nacht und Morgen (Asien): Wir erfahren u. a. das vorläufige BIP Japans für das II. Quartal (Einfluss auf den Yen) sowie monatliche Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen in China (entscheidend für die Beurteilung der dortigen Wirtschaftslage und der globalen Rohstoffnachfrage).
