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Guten Morgen. Der Sonntagmorgen ist ein Moment, in dem die Börsen ruhen, was uns eine hervorragende Gelegenheit bietet, die äußerst turbulenten Ereignisse der Wende von Juli zu August zusammenzufassen. Die vergangene Woche brachte die lang ersehnte Deeskalation im Nahen Osten, die den erhitzten Ölmarkt umgehend abkühlte. Gleichzeitig verdauen die Anleger die falkenhafte Mitteilung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), in der seltene Gegenstimmen auftauchten, sowie die gewaltigen Investitionspläne der Tech-Giganten, die an der Wall Street ebenso viel Begeisterung wie Sorge um die kurzfristige Rentabilität hervorrufen.
Geopolitisches Umfeld
- Brüchiger Waffenstillstand und Entlastung auf dem Ölmarkt. Ende vergangener Woche stoppten die USA die Luftangriffe auf Ziele im Iran, und Teheran erklärte, die eigenen Angriffe ebenfalls einzustellen. Die Märkte, die zuvor in Angst vor Störungen der Durchfahrt durch die Straße von Hormus lebten (die für ca. 20 % des globalen Ölverbrauchs und den Transport riesiger Mengen an Flüssigerdgas/LNG verantwortlich ist), reagierten umgehend. Der Preis für Brent-Öl, der im Juli vorübergehend auf rund 94–96 USD gestiegen war, fiel nach der Ankündigung der Feuerpause um 8–9 % und sank kurzzeitig unter 90 USD. Der Rückzug der Kriegsrisikoprämie ermöglichte eine moderate Erholung der Futures-Kontrakte auf die wichtigsten Wall-Street-Indizes. (Quellen: Reuters; Bloomberg; EIA; The New Arab).
- Neue Front im Handelskrieg auf dem Arzneimittelmarkt. US-Präsident Donald Trump kündigte einen Plan für drastische Zölle auf importierte Generika (Nachahmerpräparate) an. Den Ankündigungen zufolge gilt vom 1. August 2026 an zwei Jahre lang ein Satz von 0 %, aber ab August 2028 wird er auf 100 % steigen und ein Jahr später auf 200 % für Unternehmen, die die Produktion nicht in die USA verlagern. Diese Entscheidung, die innovative und patentierte Medikamente ausnimmt, trifft Indien direkt, das für knapp die Hälfte des Generika-Volumens auf dem US-Markt verantwortlich ist. (Quellen: Qatar Tribune; IBTimes; GroundNews; ForumIAS).
Das Wichtigste heute
- Falkenhafte Fed und Risse im Konsens. Die Federal Reserve beließ auf ihrer Julisitzung den Leitzinskorridor für die Federal Funds Rate bei 3,50–3,75 % (zur Erinnerung: auf der vorangegangenen Junisitzung wurde ebenfalls entschieden, keine Änderungen vorzunehmen). Die Überraschung war jedoch das Abstimmungsergebnis von 9:3. Drei Präsidenten regionaler Fed-Ableger – Beth M. Hammack, Neel Kashkari und Lorie K. Logan – stimmten gegen die Pause und sprachen sich für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus. Der Markt fasst dies als deutliches Signal auf, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht vorbei ist, und einige Analysten weisen auf das Risiko weiterer Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte hin. (Quellen: USAToday; Signalscv; KuCoin; Currency Thoughts).
- Die Rechnung für die KI-Revolution belastet die Giganten. Die Quartalsergebnisse der Big-Tech-Konzerne zeigten das enorme Ausmaß der Ausgaben für die Infrastruktur der Künstlichen Intelligenz (KI). Eine Datensammlung nach dem ersten Quartal zeigt, dass Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta im Jahr 2026 zusammen ca. 725 Mrd. USD an Kapitalausgaben (CapEx) planen. Meta schränkte seine Prognose für dieses Jahr auf 130–145 Mrd. USD ein, was aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Rentabilität dieser Investitionen Druck auf den Aktienkurs auslöste. Auf der anderen Seite generiert die Cloud weiterhin enormen Cashflow: Amazon verzeichnete Rekordumsätze (200,6 Mrd. USD, Wachstum im AWS-Segment um 37 %), und die Gewinne aus Azure bei Microsoft wachsen im hohen zweistelligen Bereich. (Quellen: Reuters; TradingKey; Global Banking & Finance; AI2027 Tracker).
- Japanische Anleihen unter Druck, BOJ spielt auf Zeit. Nach der Zinserhöhung auf 1,0 % im Juni erwartet der Markt, dass die Bank of Japan die Zinsen unverändert lässt. Die Lage auf dem japanischen Anleihemarkt ist jedoch angespannt: Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen (JGB) stieg auf ca. 2,9 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 30 Jahren. Analysten führen dies auf Inflationssorgen (getrieben durch Energiepreise), die finanzielle Lage des Landes sowie Kapitalabflüsse ins Ausland zurück. Der japanische Yen kehrte nach einer kurzen Festigung (ausgelöst durch eine mutmaßliche Regierungsintervention im Wert von geschätzten Dutzenden Milliarden Dollar) auf ein schwaches Niveau um 159–160 je Dollar zurück. (Quellen: TradingEconomics; Reuters; Investing.com; IMF Global Markets Monitor).
- Chinas Wirtschaft gerät ins Stocken. Die offiziellen Daten bestätigen eine Verlangsamung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Im Juli fiel der Einkaufsmanagerindex PMI (Purchasing Managers' Index) für das chinesische Verarbeitende Gewerbe von 50,3 Punkten im Juni auf 49,2 Punkte und kehrte damit zum ersten Mal seit Februar wieder in den Schrumpfungsbereich zurück (ein Wert unter 50 Punkten signalisiert einen Rückgang der Aktivität). Der Dienstleistungssektor verzeichnete ebenfalls einen Rückgang auf 49,0 Punkte. Als Reaktion darauf leitete die Chinesische Volksbank (PBoC) massive Liquiditätsmaßnahmen ein und pumpte Hunderte Milliarden Yuan in das Bankensystem (u. a. über ein neues Overnight-Reverse-Repo-Instrument mit einem Zinssatz von 1,25 %), um Spannungen zum Monatswechsel abzufedern. (Quellen: NBS China; Straits Times; FX.co; Economic Times).
Im Hintergrund der Märkte
- Widerstandsfähige Investitionen in den USA. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA stiegen im Juni um 0,3 % gegenüber dem Vormonat (auf ca. 334,8 Mrd. USD) und erholten sich damit vom Rückgang im Mai. Ein besonders positives Signal ist der Anstieg der Aufträge für Nicht-Rüstungskapitalgüter ohne Flugzeuge um 0,9 % – ein Schlüsselindikator, der zeigt, dass US-Unternehmen trotz hoher Zinsen weiterhin gerne in Wachstum investieren. (Quellen: TradingEconomics; InvestingLive; KPMG).
- Goldenes Zeitalter für globale Banken. Die Berichte für das zweite Quartal 2026 zeigen eine hervorragende Form des Bankensektors. Die Eigenkapitalrenditen (ROE) der größten Institute in den USA und Westeuropa liegen bei über 13 %. Wichtig ist, dass derzeit nicht nur hohe Zinssätze (und die daraus resultierenden Margen) zur Rekordprofitabilität beitragen, sondern auch ein starkes Wachstum der zinsunabhängigen Erträge wie Gebühren und Provisionen aus dem Investmentgeschäft. (Quellen: BankingHub; Deutsche Bank; Bank of America).
- TARGET2-System läuft wieder reibungslos. Die Europäische Zentralbank gab bekannt, dass der normale Betrieb des zentralen Abwicklungssystems TARGET2 in der Eurozone wiederhergestellt wurde, nachdem eine kurze technische Störung zu Verzögerungen bei der Zahlungsabwicklung geführt hatte. Wir erinnern auch daran, dass die EZB Ende Juli die Leitzinsen unverändert belassen hat (der Einlagensatz liegt bei 2,25 %). (Quellen: Economic Times; BRG Building Solutions).
Was man im Auge behalten sollte
Wir gehen in eine neue Handelswoche, die vom US-Arbeitsmarkt und einer Reihe von Konjunkturdaten aus aller Welt dominiert werden wird.
- 03.08. (Montag) – China: Caixin-Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe. Das private Gegenstück zu den offiziellen Daten, auf das die Rohstoffmärkte (einschließlich Kupfer und Öl) nach dem enttäuschenden Regierungsbericht aufmerksam blicken werden.
- 03.08. (Montag) – USA: ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (16:00 Uhr). Ein wichtiges Barometer für die Stimmung der US-Produzenten; die Indikatoren für gezahlte Preise für Komponenten werden weitere Inflationshinweise liefern.
- 04.08. (Dienstag) – Australien: Zinsentscheid der RBA (06:30 Uhr). Ein Schlüsselevent für den Australischen Dollar (AUD).
- 04.08. (Dienstag) – USA: JOLTS-Bericht (16:00 Uhr). Daten zur Anzahl der offenen Stellen – ein erster wichtiger Hinweis vor dem Arbeitsmarktbericht (NFP) am Freitag.
- 05.08. (Mittwoch) – USA: ADP-Arbeitsmarktbericht (14:15 Uhr) und ISM-Index für den Dienstleistungssektor (16:00 Uhr). Der Dienstleistungssektor macht den Bärenanteil der US-Wirtschaft aus, sodass diese Daten eine direkte Auswirkung auf die Bewertung des US-Dollars und die Erwartungen an die Fed haben werden.
