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Guten Morgen! Gestern lebten die Märkte von der Hoffnung auf ein endgültiges Ende des US-Zinserhöhungszyklus angesichts schwächelnder Konjunkturdaten. Heute jedoch wird dieses Bild deutlich komplexer. Einerseits sendet die US-Notenbank Signale, die daran erinnern, dass der Kampf gegen die Inflation noch lange nicht vorbei ist, was die Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs treibt. Andererseits beobachten wir – trotz hoher Zinsen, die theoretisch unverzinsliche Vermögenswerte belasten sollten – eine spektakuläre Goldrallye, getrieben von geopolitischen Sorgen. Zudem gibt es aus Europa handfeste Belege für eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft in der Eurozone.
Geopolitisches Umfeld
- Unklarer Waffenstillstand und offensive Rhetorik des Irans. Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt. Agenturberichte über eine Verlängerung der 60-tägigen Waffenruhe zwischen Washington und Teheran sind widersprüchlich – einige Quellen sprechen von einer Einigung, während die iranische Seite behauptet, die Amerikaner hätten das Abkommen verletzt. Gleichzeitig sprechen iranische Militärführer offen von einem Übergang zu einer offensiveren Doktrin, was das Risiko von Störungen des Tankerverkehrs deutlich erhöht. Dies sorgt dafür, dass die Brent-Ölpreise auf einem relativ hohen Niveau im oberen 80er- und unteren 90er-Dollar-Bereich pro Barrel verharren. (Quellen: Reuters; Anadolu; Rigzone; Lloyd’s List Intelligence).
- Gefahren für die globale Schifffahrt. Rating- und Schifffahrtsdienste stufen das Schwarze Meer zunehmend als Gewässer mit deutlich erhöhtem Risiko ein. Dies führt zu einem rasanten Anstieg der impliziten Kriegsrisikoprämien (implied spreads), was insbesondere die sogenannte „Schattenflotte“ trifft, die russisches Öl transportiert. Im Nahen Osten wiederum blieb der Verkehr durch die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab in den ersten zwei Wochen der saudi-arabischen Blockade überraschend stabil (ca. 270 Schiffe pro Woche), obwohl das Angriffsrisiko weiterhin als sehr hoch eingeschätzt wird. (Quellen: S&P Global; IEA; Lloyd’s List Intelligence).
Das Wichtigste heute
- Falkenhafter Fed-Flügel und Mehrjahreshochs bei den Anleiherenditen. Obwohl der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) auf seiner jüngsten Sitzung das Zielband für den Leitzins bei 3,50–3,75 % beließ, zeigen die Details der Abstimmung, dass innerhalb der US-Notenbank keine vollständige Einigkeit herrscht. Gleich drei Mitglieder (Beth Hammack, Lorie Logan und Neel Kashkari) sprachen sich für eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte aus. Der effektive Leitzins (EFFR) hält sich stabil bei rund 3,63 %. Im Zusammenspiel mit diesen Meldungen erlebt der Anleihemarkt einen massiven Abverkauf (Anleihepreise fallen, Renditen steigen). Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen näherten sich der Marke von 4,7 % (Höchststand seit 2007), und bei Neuemissionen 30-jähriger Treasuries stiegen sie über 5,2 %. Dieser Trend macht auch vor Japan nicht halt, wo die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen auf rund 2,9 % stieg und damit Niveaus erreichte, die seit den späten 1990er-Jahren nicht mehr verzeichnet wurden. (Quellen: BMO Economics; TechBullion; MNI; EBC.com; CNBC).
- Gold trotzt der Marktschwerkraft. Traditionell verliert Gold an Attraktivität, wenn die Renditen von Staatsanleihen steigen. Derzeit ist das Edelmetall jedoch wieder auf rund 4.400 USD pro Unze geklettert und hat innerhalb kürzester Zeit um 8–9 % zugelegt. Anleger betrachten das Metall eindeutig als sicheren Hafen (Safe Haven) und gewichten geopolitische Risiken sowie die Instabilität der weltweiten Handelsrouten höher als die Opportunitätskosten der Kapitalhaltung in einem Hochzinsumfeld. (Quellen: TradingKey; FSM Global; Finance Intelligence Brief).
- Eurozone überrascht mit Widerstandsfähigkeit und untermauert Erwartungen an EZB-Zinserhöhung. Eurostat bestätigte, was gestern bereits vorläufig angedeutet wurde: Im zweiten Quartal 2026 wuchs die Wirtschaft der Eurozone um 0,4 % im Quartalsvergleich und um 1,0 % im Jahresvergleich. Dieses Ergebnis übertrifft die bisherigen Marktprognosen (die von rund 0,2 % ausgingen) deutlich. Die robuste Konjunktur gibt der Europäischen Zentralbank (EZB) grünes Licht für den Kampf gegen die Inflation – Ökonomen-Umfragen und Terminmärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte im September derzeit mit rund 80 % ein. Der Optimismus spiegelt sich auch in den Unternehmensergebnissen wider – Analysten hoben die Gewinnwachstumsprognosen für Unternehmen aus dem europäischen Index STOXX 600 von niedrigen zweistelligen Werten deutlich auf 20–23 % im Jahresvergleich an. (Quellen: Eurostat; Reuters; Morningstar; FactSet).
- Renaissance der Schwellenländer, aber nur im Rentensektor. Nach zwei Monaten mit Abflüssen verzeichneten die Schwellenländer (Emerging Markets – EM) im Juli positive Netto-Portfoliozuflüsse in Höhe von rund 18,8 Mrd. USD. Interessanterweise fließt das Kapital ausschließlich in sicherere Anlageklassen – die Rentenmärkte zogen 26,7 Mrd. USD an, während aus den Aktienmärkten fast 8 Mrd. USD abgezogen wurden. Der Appetit der Anleger auf höhere Renditen wird von den Regierungen der Entwicklungsländer massiv genutzt, die bislang Anleihen im Rekord-Gesamtvolumen von 187 Mrd. USD emittiert haben. (Quellen: Reuters; WEEX).
Im Markthintergrund
- Rückkehr des Drucks auf den japanischen Yen. Die geldpolitische Divergenz zwischen den USA (Beibehaltung hoher Zinsen) und Japan (ultralockerer Ansatz) prägt weiterhin den Devisenmarkt. Das Währungspaar USD/JPY kletterte zu Beginn der zweiten Augusthälfte erneut in den Bereich von 159–160 und erreichte damit nach vorangegangenen Interventionen der dortigen Behörden den höchsten Stand in diesem Monat. (Quellen: Investing.com; RoboForex).
- US-Bauträger senken die Preise. Der zins- und finanzierungskostenempfindliche Immobiliensektor in den USA sucht weiterhin nach einem Gleichgewicht. Jüngsten Marktstudien zum Einfamilienhausbau zufolge sieht sich rund ein Drittel der US-Bauträger gezwungen, Kunden mit Preisnachlässen zu locken. Das durchschnittliche Ausmaß der Preissenkungen liegt bei rund 6 %. (Quellen: Faribai).
- Erwartungen eines Inflationsanstiegs in Kanada. In Kanada wartet man auf die offiziellen VPI-Inflationsdaten für Juli. Analysten schätzen, dass die Rate nach einer Phase des Rückgangs von 2,8 % auf rund 2,9 % im Jahresvergleich anziehen wird, was vor allem auf die im Jahresvergleich um fast ein Viertel gestiegenen Benzinpreise zurückzuführen ist. Die von der Bank of Canada bevorzugten Maße der Kerninflation dürften stabil bleiben. (Quellen: The Epoch Times Canada; TD Securities).
- Allmähliche Abkühlung des britischen Arbeitsmarktes. Verfügbare Analysen deuten darauf hin, dass die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich im zweiten Quartal auf rund 4,9–5,0 % gestiegen ist. Die Grundlöhne wachsen mit einer Rate von ca. 3,5 %. Dies sind Signale, die der Bank of England im Kampf gegen den heimischen Inflationsdruck eine gewisse Erleichterung verschaffen könnten. (Quellen: Gov.scot; MarketingNewscast).
- S&P 500 ignoriert hohe Renditen. Trotz des schwierigen makroökonomischen Umfelds zeigen sich die führenden Indizes an der Wall Street bemerkenswert widerstandsfähig. Der S&P 500 bewegt sich extrem nah an seinen Allzeithochs, verzeichnete in den letzten Tagen Rekordschlussstände und in den folgenden Handelssitzungen nur geringe, seitwärts gerichtete Schwankungen. (Quellen: Reuters; CNBC).
Im Fokus
- 18.08. (Heute) 14:30 Uhr – USA: Baubeginne und Baugenehmigungen. Der Bericht wird die reale Verfassung des US-Immobiliensektors aufzeigen.
- 18.08. (Heute) 15:15 Uhr – USA: Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung. Ein wichtiger Indikator für den Zustand des Produktionssektors in der größten Volkswirtschaft der Welt.
- 19.08. (Mittwoch) 08:00 Uhr – Großbritannien: Verbraucherpreisinflation (VPI). Veröffentlichung für Juli, die direkten Einfluss auf die Entscheidungen der Bank of England haben wird.
- 19.08. (Mittwoch) 11:00 Uhr – Eurozone: Endgültiger HVPI-Inflationswert. Bestätigung des Disinflationstempos vor der entscheidenden EZB-Sitzung im September.
- 19.08. (Mittwoch) 20:00 Uhr – USA: FOMC-Sitzungsprotokoll (Minutes). Angesichts der Uneinigkeit bei der Abstimmung (9 zu 3) werden die Anleger die Diskussionen der Fed-Mitglieder über die Risikobilanz genau analysieren.
- 20.08. (Donnerstag) 03:15 Uhr – China: Zinsentscheid der PBoC (Chinesische Volksbank) zu den LPR-Sätzen. Die Märkte warten auf mögliche Stimulierungsmaßnahmen für die schwächelnde Wirtschaft.
- 21.08. (Freitag) 09:30 – 15:45 Uhr – Globale PMI-Indizes. Vorläufige Schätzungen zur Verfassung der Volkswirtschaften (Deutschland, Eurozone, UK, USA) zum Ausklang des Sommers.
